Archäologie der sauerländischen Höhlen

Höhlen spielten zu allen Zeiten unserer Vergangenheit eine wichtige Rolle, zudem haben sich die Hinterlassenschaften der Menschen hier besonders gut erhalten.

Neandertaler nutzten vor etwa 80.000 Jahren bis zu ihrem Verschwinden vor über 40.000 Jahren im Sauerland zahlreiche Höhlen für ihren Aufenthalt. Hier konkurrierten sie mit anderen Jägern, die sich gerne in Höhlen aufhielten, wie dem Höhlenlöwen und der Hyäne. In vielen Höhlen sind auch zahlreiche Reste der während ihrer Winterruhe verendeten Höhlenbären zu finden, so vor allem in der Heinrichshöhle und der Bilsteinhöhle, aber auch in der Dechenhöhle, wo sogar Knochen aus Warm- und Kaltzeiten der letzten 400.000 Jahre nachgewiesen wurden.Tatsächlich scheint der Höhlenbär aber auch auf dem Speiseplan der Neandertaler gestanden zu haben, wie dies jüngste Analysen für die Balver Höhle als wichtigstem Fundpunkt der Neandertaler in Südwestfalen nahelegen.

Auch hier gefundene Knochen des Höhlenlöwen tragen Schnittspuren, die von der Zerlegung des Tieres zeugen. Vielleicht ist er als Konkurrent während der Jagd selbst zum Opfer geworden? Auf dem Speiseplan standen aber vor allem Rentiere, Wildrinder und wohl auch junge Mammute. Vor allem aber Steingeräte und Abfälle ihrer Herstellung aus dem in der Nähe zu findenden Kieselschiefer aber auch aus Feuerstein, der etwa 30 km weiter nördlich vorkommt, machen das Fundspektrum der Neandertaler nicht nur der Balver Höhle aus.

Auch die letzten Jäger- und Sammlergruppen vor etwa 11.600 bis 7.500 Jahren haben immer wieder ihre Spuren in unseren Höhlen hinterlassen.

In der Balver Höhle ist das kleine Fragment eines menschlichen Schädels überliefert worden, das mittels der Radiokarbonmethode mit einem Alter von etwa 10.400 Jahren in die frühe Mittelsteinzeit datiert werden konnte. In der „Kulturhöhle I“ der Bilsteinhöhle fanden sich zudem zahlreiche Feuersteingeräte, die aufgrund ihrer viereckigen Pfeilspitzenformen bereits ans Ende der Mittelsteinzeit zu datierten sind. Offenbar hat sich hier eine kleine Jägergruppe eine gewisse Zeit aufgehalten und ihre Pfeilspitzen nach erfolgreicher Jagd repariert.

Aus der jüngeren Jungsteinzeit stammt aus der Balver Höhle z.B. das Fragment einer Steinbeilklinge, die ihren Weg aus den Westalpen bis zu uns gefunden hatte, sowie von der Bilsteinhöhle vom Ende der Jungsteinzeit um 2.300 v. Chr. ein früher Dolch aus einer Arsen-Kupfer-Legierung.

In der Bilsteinhöhle wurde aus der nachfolgenden Bronzezeit das Fragment eines Keramikgefässes gefunden.

Die Vorrömische Eisenzeit (etwa 800 v. Chr. bis Christi Geburt) ist in etlichen, auch und besonders den sehr engen Höhlen reichlich vertreten. Die Balver Höhle und die „Kulturhöhle I“ der Bilsteinhöhle haben reichlich Material geliefert. Importe aus dem keltischen Süden sind neben Schmuck aus Bronze und Bernstein auch eine kleine Entenfigur aus der großen Burghöhle im Hönnetal. Die Höhlen spielten eine wichtige Rolle im

Totenkult der eisenzeitlichen Bevölkerung, fanden sich doch zahlreiche, z.T. offensichtlich zerschlagene Menschenreste (darunter viele Schädelreste) zusammen mit reichlich Keramik und Schmuck sowie verbrannten Getreidevorräten. Offensichtlich haben sich in den Jahrhunderten vor Christi Geburt in den Höhlen komplexe Riten abgespielt, die wir aber bisher nur erahnen können.

Museums-Tipps zum Vertiefen:

Neanderthal Museum in Mettmann: www.neanderthal.de

LWL-Museum für Archäologie in Herne: www.lwl-landesmuseum-herne.de